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Text Hip-Hop

Text Hip-Hop

Die Nominierten des 12. Deutschen Musikautorenpreis

Laudatorin Hadnet Tesfai über die Gewinnerin

„Wer es schafft im Jahr 2020, das so als DAS Corona-Jahr in die Geschichte eingehen wird, nicht ein, sondern zwei Alben zu veröffentlichen und seine kreative Energie so channeln kann, auf den würde ich einfach mal so eine Runde schnipsen und sagen: Get it, Sis! Deine Texte bewegen sich irgendwo zwischen Aggressivität und Verzweiflung, irgendwo zwischen Punk und Pöbelei, zwischen Swag, Bling und Streetcred und gleichzeitig Kapitalismuskritik.“

»„Der Preis ist wirklich eine Wertschätzung für mich, weil ich schreibe mich zu Tode. Immer wieder. Jetzt war ich fünf Tage im Studio und ich schreibe meine Texte meistens direkt dort. Ich habe, glaube ich, mehr als tausend Texte in meinem Leben geschrieben und wirklich noch keiner, außer die hundert Prozent GEMA für Text, die ich bekomme, hat mir das anerkannt.“ «

Haiyti
Preisträgerin Haiyti im Interview
Preisträgerin Haiyti im Interview
Kategorie
Text Hip-Hop
Ebru Düzgün (Ebow)
Ebru Düzgün (Ebow)

„Für mich war es schon immer einer der wichtigsten Parts meines kreativen Schaffens, dass ich meine Texte selbst schreibe und somit eine Stimme sein kann – für mich und viele, die den gleichen Background haben wie ich. Als Autorin nominiert zu werden, bedeutet für mich daher sehr viel, da ich weiß, meine/unsere Stimme wird gehört.“

Die Rapperin Ebru Düzgün alias Ebow wurde in München geboren, wo sie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Architektur studierte. Erstmals Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte Ebow durch Guerilla-Auftritte in Waschsalons, Supermärkten oder der Straßenbahn. Heute tritt die in Wien und Berlin lebende und arbeitende Künstlerin zwar auf konventionelleren Bühnen auf, ihre Message aber bleibt provokant und politisch. Solo, aber auch als Mitglied der Gaddafi Gals, rappt sie gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie, für eine offene, solidarische und gleichgestellte Gesellschaft. 2013 erschien ihr Debütalbum „Ebow“ auf Disko B. Der Nachfolger „Komplexität“ war im November 2017 ihr erstes Album auf Problembär Records und sollte inhaltlich und musikalisch der Diversität der heutigen Gesellschaft Rechnung tragen. Ihr neues Album „K4L“ widmet sich hingegen den Gemeinsamkeiten und jenen Dingen, die die Bevölkerung untereinander verbindet.

Haiyti (Ronja Zschoche)
Haiyti (Ronja Zschoche)

„Ich bekomme das erste Mal eine Wertschätzung dafür, dass ich seit ich 14 Jahre alt bin mit Zettel und Stift durch die Gegend renne und den Anschluss zur Sozialwelt verpasse. Endlich gibt es eine Würdigung als Gegengewicht zu schlaflosen Nächten, Tagtrunkenheit und verpassten Gelegenheiten. Haiyti one; ich schreibe meine Texte selbst!“

Ronja Zschoche alias Haiyti wuchs in Hamburg auf. Als Jugendliche kam sie mit Hip-Hop in Berührung und machte erste Versuche als Rapperin. 2015 erschien ihr erstes Album „Havarie“ im Eigenvertrieb. Mit zahlreichen weiteren Veröffentlichungen konnte sie sich in die Herzen der Kritiker rappen und galt lange als Geheimtipp im deutschen Rap. Anfang 2016 erschien das Mixtape „City Tarif“, welches in den Jahrescharts 2016 auf Platz 4 gelistet wurde. Es folgte die EP „Toxic“ zusammen mit dem Kollektiv KitschKrieg. Ende 2016 erschien das Album „Nightliner“, das sie schnell auch in Mainstream-Medien bekannt machte. 2017 kam ihr erstes großes Album „Montenegro Zero“, das radikalen Party-Nihilismus und die Kälte des Milieus mit beispielloser emotionaler Tiefe und absurd eingängigen Hooks vermischte. Einflüsse von Trap bis Dancehall und Deutsche Welle mit Haiytis ureigener Sprache und Stimme sind hierbei deutlich zu erkennen. Im Jahr 2019 erschien das Album „PERROQUET“, das ihr bislang konzentriertestes und gleichzeitig vielseitigstes Album ist, denn die Lieder definieren ihre Künstlerpersönlichkeit, welche sich zwischen Luxusleben und Verletzlichkeit abspielt. Außerdem erhielt Haiyti den HANS (Hamburger Musikpreis) in der Kategorie „Nachwuchs des Jahres“ 2016 sowie 2018 einen ECHO in der Kategorie „Kritikpreis National“ und war 2019 für den Preis für Popkultur in der Kategorie „Lieblings-Solokünstlerin“ nominiert.

Nora Hantzsch (Sookee)
Nora Hantzsch (Sookee)

„Für den Blick von außen sind es erstmal irgendwelche Songs und irgendwelche Lyrics. Aber für diejenigen, die ihre Texte noch selber schreiben, können sie die Welt bedeuten. Natürlich schreiben viele Artists für Radiotauglichkeit und die Chartplatzierung. Es heiß nicht ohne Grund MusikINDUSTRIE. Aber ich bin da romantische Oldschoolerin. Ich häng in meinen Texten mit ganzem Herzen, mit meiner kompletten Biographie drin. Wenn dieser Umstand mit der Nominierung gewürdigt und wertgeschätzt wird, dann bin ich sehr, sehr dankbar dafür.“

Die Rapperin Sookee war 15 Jahre in der Rap-Szene aktiv und schaffte durch mehrere veröffentlichte Alben, unzählige Kollaborationen, Auftritte bei öffentlichen Podien an Schulen, Universitäten und in Workshops Räume, die sich aktiv mit Antworten auf die Frage, wie gesellschaftliche Veränderung möglich ist, beschäftigen. Ihren Bekanntheitsgrad und ihre große Außenwirkung nutzte sie, um Dialoge zu begünstigen, auch zwischen Groß und Klein. Sookee wird als „Rolemodel“ von Mädchen, Frauen und Queers in der Popkultur wahrgenommen und ihr Output als anspruchsvoll charakterisiert. Als Musikerin und Aktivistin ist sie Trägerin des Louise-Otto-Peters-Preises, Ambassador des sozialen Projekts „Musik-Bewegt”, Patin für zwei Schulen der Kampagne „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage” und engagiert sich politisch als bekennende Antifaschistin für weitere zahlreiche Initiativen. Als „Sukini“ hat sie im Herbst 2019 ihr erstes Kinderliederalbum veröffentlicht und wird sich musikalisch auch zukünftig auf Kinderkultur konzentrieren.